Gerade Männer setzen sich erst mit der eigenen Beziehung auseinander, wenn sie schon am Abgrund steht. Dann werden sie munter, und wollen das angeschlagene Schiff wieder auf Kurs bringen und sind manchmal sogar 😉 bereit für eine Paartherapie.

In dieser Notsituation kommen zunächst die gröbsten Probleme auf den Tisch, denn es hat sich viel aufgestaut und große Emotionen wie Zorn oder Enttäuschung bestimmen das Klima. Wenn beide grundsätzlich guten Willens sind, dann sind die Chancen dennoch gut, aber es braucht viel Kraft und Geschick, um aus der verfahrenen Situation wieder herauszukommen.

Viel besser wäre es, rechtzeitig zu erkennen, dass die Beziehung Aufmerksamkeit braucht. Wenn man handelt, solange die Probleme klein sind, kann man als Paar viel entspannter mit all den Themen umgehen. Die Auseinandersetzung mit dem Zusammenleben wird dann zum interessanten, kreativen Abenteuer.

 

Worum braucht es Beziehungsentwicklung?

 

Wir Menschen sind keine perfekten Wesen, das ist für eine gute Beziehung auch nicht notwendig. Aber jeder hat seine Geschichte, seine Empfindlichkeiten, Gewohnheiten und Macken. Wenn diese dann aufeinandertreffen, schleifen sich Lösungen ein, die bald mehr und manchmal auch weniger gut sind. Man passt sich an, oft mit dem Gedanken „Das wird schon werden“. Die Beziehung ist in dieser ersten Phase auch wichtiger als diese „Kleinigkeiten“. Gleichzeitig verlagert sich die Aufmerksamkeit auf den Alltag, und die vorhandene Zeit ist schnell ausgefüllt.

Mit diesen halbguten Gewohnheiten stolpern Paare später allerdings immer wieder über dieselben Themen, streiten immer wieder über dieselben Konflikte. Meist schöpfen sie einfach nicht das volle Potenzial ihrer Beziehung aus.

Was bringt Beziehungsentwicklung?

Im Idealfall werden in guten Auseinandersetzungen mit dem Partner bzw. der Partnerin aktuelle Themen und Konflike genützt, um sich immer wieder neu aufeinander und auf ihre Lebenssituation einzustellen. Dabei lernen sie nicht nur, sich als Team besser abzustimmen und zu ergänzen. Sie lernen vor allem, gegenseitige Bedürfnisse zu verstehen und einander noch besser zu erfüllen.

Weil man gegenseitig regelmäßig die Grenzen der Komfortzonen auf eine gute Art fordert, stärken sich dabei unmerklich seelische Muskeln wie Kreativität, Gelassenheit, Verständnis, Einfühlungsvermögen, Stabilität, Verlässlichkeit und vieles mehr. So wie wir eben in der Imago Paartherapie sagen: „Eine Beziehung ist eine Werkstatt für Persönlichkeitsentwicklung“.

Beziehungsentwicklung bezeichnet also einerseits die Entwicklung der Beziehung selbst zu einem immer liebevolleren, effizienteren Miteinander. Damit dies möglich ist, braucht es auch die persönliche Entwicklung der Partner in der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Beziehung.

 

Wann sollte man mit Beziehungsentwicklung beginnen?

 

Unbewusst entwickelt sich eine Beziehung von Anfang an, weil Menschen aufeinander reagieren, wenn sie zusammenkommen. Ich spreche hier aber von der bewussten Absicht, das Beste aus dem gemeinsamen Miteinander zu machen. Das Thema ist also nicht die Sache selbst, sondern die Beziehung, die Art wie wir miteinander umgehen und wie wir uns ergänzen. Hier zwei Beispiele:

Auf Konflikte und unerfüllte Wünsche achten

Wenn man öfter als zweimal über dieselbe Sache diskutiert und zu keinem beidseitig befriedigenden Ergebnis kommt, dann sollte man die Gelegenheit nutzen, sich separat zu einem guten Gespräch zusammenzusetzen und sich zu fragen: Welche Fähigkeit fehlt uns denn gerade? Wie könnten wir zu einem besseren Ergebnis kommen?

Dasselbe gilt auch für Träume und Wünsche, die in einem der beiden auftauchen. Es zahlt sich aus, sie nicht einfach beiseite zu schieben, sondern genauer hinzuspüren. Schon allein ein gutes Gespräch kann dazu beitragen, genauer zu erkennen, welche Bedürfnisse dahinter verborgen liegen. Oft kann man dann auch praktische Wege finden, um sie zumindest Stück für Stück real werden zu lassen.

 

Hilfreiche Impulse

 

Gerade wenn die Beziehung „eigentlich recht gut“ ist, kann man sich sehr frei mit dem Thema Beziehung auseinandersetzen. Es gibt ja eine Vielzahl an Büchern und viele Anregungen aus dem Internet, die den Astoß zu guten Gesprächen geben können. Und das ist ja das Entscheidende: Dass man nicht nur für sich etwas lernt, sondern dass all das im Gespräch und im Alltag der Beziehung Früchte trägt.

Eine besondere Kombination von zielorientierten Beziehungsimpulsen und praktischer Umsetzung sind natürlich unsere Paar Wochenenden, z.B. das Imago Paarseminar „So viel Liebe wie du brauchst“. Hier spannt sich der Bogen von sicherer Kommunikation über ein tieferes Verstehen des Partners bis hin zu einem effizienten Umgehen mit Konflikten und der Gestaltung einer glücklichen Zukunft. Natürlich immer in Verbindung mit den ureigensten Themen unserer Teilnehmer.

Oder unser spezielles Paarseminar für Liebe und Leichtigkeit im Alltag einer Beziehung. Dort suchen wir gemeinsam nach der lebendigen Energie des Paares und verbinden die Imago Prinzipien mit ganz praktischen Weisheiten für das Zusammenleben.

 

Eine Beziehung ist wie eine Pflanze oder ein anderes lebendiges Wesen. Sie braucht ein gewisses Maß an Zuwendung und bestimmte Nährstoffe, damit sie blüht und gedeiht. Für ein Paar das zusammenspielt, ist es nicht schwer, ihr das zu geben.

 

Dr. Max Schallauer