Beziehungsarbeit ohne Partner?

 

Über kurz oder lang kommt jede Beziehung schon allein durch die Gegensätzlichkeit von Mann und Frau in eine kritische Phase, in der Frust und Enttäuschung aufkommen. Natürlich macht es Sinn, sich jetzt gemeinsam um die Beziehung zu kümmern, denn die Probleme haben ihre Wurzeln im gegenseitigen Zusammenspiel und wurden gemeinsam eskaliert.

Der ideale Weg: Die gemeinsame Arbeit an der Beziehung

Ein Paarseminar oder eine Paartherapie bringt normalerweise sehr viel neue Gemeinsamkeit in die Beziehung. Es ist enorm verbindend, wenn man die Wurzeln der Konflikte und der Reaktionsweisen des eigenen Partner tiefer versteht. So entwickelt sich auch eine natürliche Bereitschaft, auf Wünsche des Partners einzugehen und neue Strategien für das Miteinander zu entwickeln. So kann man die Beziehung gemeinsam wachsen lassen.

Natürlich ist es schade, sich diese Chance auf ein gemeinsames, neues „Durchstarten in der Beziehung“ entgehen zu lassen. Tatsache ist allerdings, dass zu einer Paartherapie immer zwei gehören. In der österreichischen Beziehungsrealität tritt oft der Fall ein, dass eine/r der beiden einen deutlichen Handlungsbedarf sieht, während der/die andere entweder mit dem Status Quo durchaus zufrieden ist, oder lieber nicht noch mehr Staub aufwirbeln möchte.

Gerade Männer neigen zum Prinzip „Lieber nichts reparieren, was nicht wirklich kaputt ist!“ 🙂 Leider übersehen Sie damit allerdings auch oft ihre Chance, in der Beziehung noch die Kurve zu bekommen. Man sieht dies an der Statistik: Scheidungen werden heutzutage überwiegend von Frauen eingereicht. Ob das für alle Beteiligten eine gute Lösung ist?

Die Alternative: Beziehungsarbeit ohne Partner

Die Schwierigkeiten in einer Beziehung können deshalb so sehr eskalieren, weil viele unbewusste innere Muster mitspielen. Dann können sich beide Partner gegenseitig emotional hochschaukeln und sich dabei immer weiter voneinander entfernen. Sie wissen dann nicht mehr, wie sie aus dieser Negativspirale herauskommen, ohne wichtige Bedürfnisse zu verleugnen.

Es kann deshalb schon viel bringen, wenn eine/r von beiden einen Weg aus der verfahrenen Situation findet. Durch ein tieferes Verstehen des Ganzen kann er oder sie dann nicht nur als der/die “Gescheitere“ flexibler handeln, sondern auch konstruktivere Wege entwickeln, um eigene Wünsche in der Beziehung zu verwirklichen.

Ich arbeite in der Beziehungsarbeit ohne Partner beispielsweise daran ….

  • Psychologische Zusammenhänge der aktuellen Beziehungsprobleme zu verstehen
  • Verbindende Elemente wieder in die Beziehung zu integrieren
  • Konstruktivere Kommunikationsstrategien zu entwickeln
  • Sinnvolle Veränderungen mit positiven Mitteln zu erreichen
  • Eigene Anteile am Beziehungsmuster zu erkennen und zu verändern
  • Wichtige Beziehungsziele schrittweise zu erreichen
  • Insgesamt überlegter und selbstbewusster zu agieren

Diese Arbeit führt oft zu einer Verbesserung der Beziehung, und sie wirkt sich meist positiv auf das Selbstbewusstsein meiner KlientInnen aus.

Oft äußert der zweite Partner nach einiger Zeit selbst den Wunsch, ebenfalls einmal mitzukommen. Entweder will er/sie mich einfach nur kennen lernen, oder er/sie ist nun motiviert, aktiv an der Beziehung mitzuarbeiten, weil er/sie Veränderungen spürt. Eine weitere Arbeit zu Dritt ist selbstverständlich möglich, wenn die notwendige Vertrauensbasis des Partners/der Partnerin vorhanden ist.

Ausschließungsgründe für eine Beziehungsarbeit ohne Partner

Es gibt einige Umstände, unter denen ich nicht mit nur einem Partner arbeite:

  • Wenn jemand das Problem nur beim Partner sieht und nicht an eigenen Anteilen arbeiten will. Man kann sich nämlich zuerst immer nur selbst verändern – interessanterweise ändert sich damit oft auch der andere.
  • Wenn meine Unterstützung als Instrument des gegenseitigen Machtkampfes missbraucht wird.
  • Wenn jemand vom Partner geschickt wird. Ich „repariere“ niemand, der vom anderem als defekt eingeschätzt wird.
  • Wenn Gewalt oder Sucht im Spiel ist. Hier braucht es zuerst einen angemessenen Schutz und klare Vereinbarungen zwischen den Partnern.
  • Wenn sich herausstellt, dass es nicht um eine Verbesserung der Beziehung geht, sondern eigentlich schon um Trennung.
  • Wenn jene Person, die mit mir arbeiten will, eine Außenbeziehung unterhält. Dadurch ist das Herz für den bestehenden Partner nicht frei und Beziehungsarbeit macht deshalb keinen Sinn.

Das Risiko

Diese Arbeit führt normalerweise zu einem besseren Verstehen und damit zu mehr Nähe in der Beziehung. Manche Entwicklungen entfalten sich aber über schwierige Phasen, und damit besteht immer eine gewisse Gefahr, dass die Bindungskräfte der Beziehung überfordert werden. Es könnte sich z.B. herausstellen, dass die Beziehung schon weiter zerrüttet war, als es beiden vorher bewusst gewesen ist. Oder es stellen sich als Reaktion auf neue Verhalten des einen Partners destruktive Verhaltensweisen des anderen ein oder verstärken sich.

Darum vereinbaren wir klare Ziele und gehen immer nur schrittweise vor. Nach jeder Stunde wird die Entwicklung analysiert und gemeinsam über eine Weiterarbeit entschieden. Ausschlaggebendes Kriterium dabei ist eine konstruktive Entwicklung der Beziehung.

Ich werde all meine Erfahrung einsetzen, um Sie bei Ihrer Arbeit an Ihrer Beziehung zu unterstützen. Die Verantwortung für Ihre Entscheidungen, für die Beziehungsarbeit mit oder ohne Partner, und für die Entwicklung Ihrer Beziehung kann ich Ihnen und Ihrem/er Partner/in allerdings nicht abnehmen.

Dr. Maximilian Schallauer