Strömungen der Männerbewegung

 

In der Männerbewegung gibt es mehrere sehr unterschiedliche Ansätze. Ich möchte meine eigene Arbeit hier etwas genauer positionieren, damit wir uns nicht mit falschen Erwartungen treffen.

Zunächst möchte ich kurz auf zwei Richtungen eingehen, mit denen ich mich weniger identifizieren kann:

  • Die Pro Feministische Männerbewegung
  • Die Vaterrechtliche Männerbewegung

Beim Pro Feministischen Ansatz geht es um die Abschaffung des Patriarchats. Dagegen habe ich nichts einzuwenden, denn ich wünsche mir eine partnerschaftliche Beziehung zwischen Mann und Frau. Was mich stört, ist die kritiklose Orientierung an weiblichen Eigenschaften und ein negativer Zugang zum Mann-Sein. Der „Softie“ entspricht nicht meinem idealen Männerbild.

Der dem Pro Feministischen entgegengesetzte Vaterrechtliche Ansatz hat sich entwickelt als Gegenpol zum Feminismus und aus der realen oder scheinbaren Benachteiligung von Männern in Zusammenhang mit Sorgerecht und Unterhalt bei Scheidungen. Was ich nicht mittragen möchte, ist die dabei oftmals spürbare, militante Frauenfeindlichkeit.

Das Entwicklungspotenzial des Mannes

Am Morgen

Ich selbst fühle mich von zwei anderen Zugängen angezogen:

  • Von der Selbstkritischen Männerbewegung, wie z.B. von Hans Jellouschek vertreten
  • Vom „Mythopoetischen“ Ansatz, wie z.B. von Richard Rohr oder Robert Bly.

Im selbstkritischen Zugang geht es um die Anerkennung der Realität, dass Männer im Patriarchat zwar eine recht bequeme Position einnehmen konnten, sich damit jedoch selbst, ihren Familien  und letztlich auch der Gesellschaft sehr geschadet haben.

Durch einseitige Betonung maskuliner Werte und durch das Bestehen auf Machtpositionen mussten sich destruktive Beziehungen entwickeln, bei denen die Persönlichkeitsentwicklung beider Geschlechter auf der Strecke blieb.

Wenn ein Mann sein Mannsein und seine Liebesbeziehung lebendig und lustvoll leben will, dann muss er aber sein Potenzial voll entwickeln.
Wer wenig geben kann, kann dementsprechend wenig bekommen.

Die nicht entwickelten Potenziale des Mannes liegen üblicherweise im Bereich der Emotionalen und Sozialen Intelligenz. Dazu zählen Gesprächsbereitschaft, Einfühlungsvermögen oder Verständnis. Genau so wichtig sind aber auch die klassische Stärken des Mannes, um der Frau ein stabiler Gegenpol sein zu können, an den sie sich ohne Sorge anlehnen kann.

Der Mythopoetische Ansatz geht davon aus, dass es bei aller Individualität bestimmte Grundqualitäten eines Mannes gibt, zu denen er Zugang finden sollte. Diese „Archetypen“ sind in jedem Mann bereits angelegt, und mit ein wenig Erfahrung kann man sehr gut sehen, wie weit ein Mann diese Qualitäten schon in sein Leben integriert hat, und ob er sie noch in einer unreifen oder in einer Schattenform lebt.

Lustvolle Lebendigkeit

Dieser entwicklungsorientierte Zugang spricht mich als Psychologe besonders an. Das Bild eines Mannes, der in Beruf und Beziehung seine Qualitäten voll lebt, ist für mich sehr lebendig, lustvoll und motivierend. Dementsprechend spüren wir in meinen Männerseminaren diesen verschütteten Energien mit kraftvollen Ritualen nach, um sie neu zu entdecken und in das Mannsein zu integrieren.

Wohltuender Nebeneffekt ist dabei oft eine Zunahme der Resilienz, das ist unsere innere Stabilität und Widerstandskraft gegenüber äußeren Einwirkungen. Dieser Vorteil kann sich beispielsweise im erfolgreichen Umgehen mit beruflichen Herausforderungen zeigen, oder auch körperlich, z.B. in einer Stärkung des Immunsystems.