Guter Start und gemeinsame Konflikt-Diagnose

 

Setzen Sie sich gegenüber, so dass Sie sich gut anschauen können. So nahe wie möglich, mit soviel Abstand wie notwendig. Schauen Sie sich an, entspannen sie sich. Betrachten sie sich beide als Team, das jetzt versucht eine sehr anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen. Es kommt jetzt auf Sie beide an, ob Ihnen dies gelingt.

Bewusste, strukturierte Gesprächsführung

Wir empfehlen Ihnen dazu, im Gespräch nicht einfach drauflos zu diskutieren. Stellen sie sich vor, Sie sitzen in einer Beziehungstherapie, und der Therapeut steuert das Gespräch. Genau diese Steuerung sollten sie nun selbst übernehmen. Bleiben Sie deshalb beim kommenden Gespräch für eine bestimmte Zeit in der Rolle des/der Sprechenden bzw. des/der Zuhörenden. Vereinbaren Sie bei jedem der nächsten Abschnitte, wer jeweils zuerst “Sender” und wer zunächst “Empfänger” sein soll. Anschließend können Sie wechseln.

Lesen Sie sich die folgenden Punkte zunächst gemeinsam durch. Für Ihr anschließendes Gespräch finden Sie hier zusätzlich einen ausführlichen Gesprächsleitfaden mit guten Satzanfängen, so wie wir in unserer Praxis arbeiten würden.

 

3.1 Nennen Sie Ihre positiven Ziele für dieses Gespräch

“Positiv” heißt in diesem Zusammenhang, dass Sie ihr Ziel nicht negativ (mit Worten wie: nicht, keine, …) formulieren, Beispielsweise wäre statt der Formulierung “Nicht mehr streiten” die positive Formulierung besser: “Wichtige Themen gut besprechen können”.  Prüfen sie zunächst jeder für sich:

  • Was ist Ihr Herzenswunsch für Ihre Beziehung?
  • Was möchten Sie mit diesem Gespräch erreichen, gerade in der aktuellen Krise?

Achten Sie darauf, dass Sie sich nicht in Details verlieren, sondern versuchen Sie Ihr übergeordnetes Ziel zu definieren. Man könnte dieses übergeordnete Ziel auch die Vision nennen, die Sie anstreben.

Nennen Sie sich dann gegenseitig Ihre Ziele. Achten sie dabei darauf, dass Sie nur Ihr Ziel bzw. die Überschrift nennen, und nicht gleich mit Ihren ganzen Argumenten losgaloppieren.

 

3.2 Beginnen Sie das Gespräch mit einer Wertschätzung

Im Streit vergisst man sehr leicht die wertvollen Anteile des Partners. Dabei sind sie der Grund, warum Sie sich die Mühe machen wollen, miteinander wieder in eine gute Beziehung zu kommen.

  • Was schätze ich sehr an Dir (generell, oder selbst in dieser Krise)?

Falls Sie derzeit nichts Positives am Partner finden können, dann denken Sie an den Beginn der Beziehung zurück. Dieses Potenzial ist grundsätzlich vorhanden.

  • Was hat mich angezogen an Dir, damals am Anfang unserer Beziehung?

Verzichten Sie bei Ihrer Wertschätzung bewusst auf Einschränkungen oder kleine Nadelstiche, wie “… aber du bist es ja jetzt nicht mehr”

 

3.3 Benennen Sie den Hauptpunkt des Streits

Nennen Sie als SenderIn jetzt möglichst genau was Sie enttäuscht/gekränkt/verärgert/verletzt hat. Das kann ruhig ganz subjektiv sein, es geht jetzt nicht um die absolute Wahrheit, so etwas gibt es in einer Beziehung kaum, sondern um Ihre subjektive Wahrnehmung und ihr subjektives Erleben. Verzichten Sie bewusst auf übermäßige Dramatik, abwertende oder anklagende Formulierungen oder auch auf distanzierte Kälte.

Hören sie als EmpfängerIn Ihrem Gegenüber gut zu, vielleicht machen sie sich Notizen. Dann fassen Sie sachlich zusammen, was Sie gehört haben. Wenn Sie gut verstehen oder nachfühlen können, was sie gehört haben, dann drücken Sie das auch aus.

 

3.4 Fassen Sie alle Aussagen zu einem gemeinsamen Bild zusammen

Versuchen Sie jetzt den Kern Ihrer Krise möglichst sachlich zu beschreiben. So wie wenn ein außenstehender, neutraler, nicht wertender Berater Ihre Situation beschreiben würde. Achten Sie dabei darauf, dass sich jeder von Ihnen beiden in dieser Situationsbeschreibung fair behandelt fühlt.

 

3.5 Zwischenabschluss

Machen Sie nun eine Pause. Wenn bis jetzt alles gut gelungen ist, dann gratulieren sie sich. Vielleicht tut es Ihnen auch gut, sich für einige Atemzüge zu umarmen (ohne erotische Absicht). Auf diese Art kann viel Spannung abgebaut werden.

Wenn Sie sich wohl und energetisch genug fühlen, können Sie zum nächsten Schritt weitergehen, zu den Lösungswegen. Es wäre aber auch ok, wenn Sie zunächst einmal alles setzen lassen und erst zu einem späteren Zeitpunkt weiter machen. Diskutieren Sie in der Zwischenzeit nicht wie üblich miteinander, sondern bleiben Sie bei der bewussten Gesprächsführung.

 

Wenn sie mit dem Verlauf nicht zufrieden waren, dann finden Sie hier Hinweise, was Sie nun tun können.